Beinahe ehrfürchtig stehen wir beim Auslaufen aus New York an der Reling und blicken auf die golden schimmernde Skyline, die aussieht wie eine riesige Fototapete. Genau dieses Auslaufen aus der Metropole an der Ostküste der USA bedeutete Höhepunkt Nummer eins einer Reise, die wir nicht so schnell vergessen werden. In 14 Tagen bringt uns AIDAluna ab 26. Oktober 2019 von New York bis nach La Romana, insgesamt legen wir 2554 Seemeilen zurück.

Wir haben New York im strömenden Regen erkundet, sind in Washington mit einem Scuddy am Kapitol vorbeigebraust, haben in Norfolk mit Delfinen geflirtet. Das scheinbar blitzeblank gewienerte Charleston zeigt sich den Urlaubern mit besonderem Charme. In Port Canaveral zieht uns die Geschichte der Raumfahrt der NASA magisch an, und in Miami ist der berühmte Strand mit den bunten Lifeguard-Häuschen eines unserer Ziele. Immer mal wieder dazwischen ein Seetag mit ordentlich Wind, aber maximal zwei Meter hohen Wellen, Massagen, einem guten Buch und köstlichen Cocktails. All das dient der Entspannung, derweil sich AIDAluna weiter gen Süden aufmacht und bald das karibische Meer türkisblau schimmert. Nassau auf den Bahamas, Grand Turk Island und Amber Cove/Puerto Plata verzaubern die rund 2000 Passagiere auf dem Weg nach La Romana mit feinsten Sandstränden und dem karibischen Lebensgefühl, wo „Gleich“ auch „Stunden später“ bedeuten kann. Es ist eine Traumreise, die eigentlich nach 22 Tagen in Montego Bay endet, aber für diejenigen, die nicht so viel Urlaub bekommen, auch als 14-Tages-Transreise angeboten wird. Das Besondere an einer Transreise: man findet sie im Katalog nur einmal in dieser Form.

Welcome to Miami!

Im Vorfeld hat der Urlauber die Qual der Wahl: Aida Cruises hat sich in den vergangenen 20 Jahren von vier verschiedenen Routen im Jahr auf heute knapp 200 entwickelt. Die Flotte ist dermaßen gewachsen, weil Kreuzfahrten nicht nur generell bei jüngeren Altersklassen immer beliebter werden, sondern auch gerade die Kussmundflotte immer mehr Fans gewinnt. Es war wohl auch die grandioseste Marketingidee, einem Stahlkoloss ein lächelndes Gesicht zu geben. Und wenn die Leistung stimmt, geht die Rechnung auf.

Für mich ist es die 30. Kreuzfahrt mit einem Schiff von Aida Cruises, und die Luna gehört tatsächlich nach den kleinen Schiffen Aura und Vita zu meinen Lieblingen.

Carmen Ahlers

Auf Platz eins meiner persönlichen Lieblingstouren lag vor der Transkaribik die Transamerika-Tour: Von Hamburg nach New York unter anderem mit Island und Grönland. Die große Frage, die mich im Vorfeld beschäftigt hat: Kann die Reise getoppt werden? Wackelt mein persönlicher Platz eins?

Beamen wir uns gedanklich zurück nach New York, wo wir Glück haben und im Gegensatz zu vielen Mitreisenden bereits am frühen Nachmittag in Newark im benachbarten Bundesstaat New Jersey landen. Doch tatsächlich währt die Freude nur kurz, denn die US-Behörden sorgen nicht gerade für eine zügige Einreise. Drei Stunden später sind wir auf dem Schiff, und der erste Gang führt natürlich in ein geöffnetes Restaurant, um die ersten Kalorien mit Genuss zu verdrücken.Muss man zwingend abends nach dem langen Flug noch hinein ins Getümmel von New York City? Im Grunde schon, denn das Kribbeln ist groß und der Duft der Großstadt nimmt einen irgendwie gefangen. Da wir aber New York-Wiederholungstäter sind, genießen wir den Blick von der Skyline einfach vom Schiff aus. AIDAluna liegt in Manhattan so unglaublich zentral, dass man das Gefühl hat, das Schiff hat die Nase mitten in der Stadt. Dieser Liegeplatz am Manhattan Cruise Terminal ist ein großer Vorteil, einige Reedereien kommen nicht so nah dran. Am nächsten Tag aber stürzen wir uns in die Stadt, und dieser Tag wird ebenfalls zu den Ereignissen im Leben gehören, die man nie vergisst. Nebel und strömender Regen begleiten uns den ganzen Tag. Bei der Überfahrt zur Freiheitsstatue wirkt New York mystisch, immer mal kurz blitzt die Spitze des One World Trade Centers aus dem Nebelmantel heraus. Aber die emotionale Ausfahrt aus dem Hafen New Yorks, bei der man sich auch mal ein Tränchen aus dem Gesicht wischen darf, macht alles wieder wett. Die Auslaufmusik der Reederei sorgt für ein Kribbeln im Bauch, die Skyline wird immer kleiner und eines ist klar: Wir brechen auf in ein neues Abenteuer. Schon allein deswegen lohnt es sich, eine Kreuzfahrt ab New York zu starten.


Transkaribik – die Destinationen an der amerikanischen Ostküste liegen in fünf verschiedenen Bundesstaaten. Die Überlegungen, auf welche Weise man jeweils auf Entdeckungsreise geht, ziehen sich im Vorfeld über Monate. Einige Ausflüge haben wir über Aida Cruises gebucht, einiges haben wir auf eigene Faust unternommen. Auf den Bahamas lebt eine Freundin, die uns in Empfang genommen und ihre Insel ganz persönlich vorgestellt hat. Das ist der Glücksfall, der eher selten ist. Denn dann sieht man die Ecken, in die es Touristen vielleicht nicht unbedingt zieht. Gerne darf es bei uns bei den Landgängen auch mal etwas Besonderes sein, so haben wir uns zum Beispiel für eine Scuddy-Tour durch Washington entschieden. Also ging es in Baltimore vom Schiff, zusammen mit den Bikern in den Bus und ab in die US-Hauptstadt. Während es in den Vororten noch ein wenig schmuddelig wirkt, wird es sauberer, je näher wir uns Washington DC nähern. Die Vorfreude ist groß – auf die Scuddys, die ziemlich schräg aussehen und auch nicht wirklich bequem sind, aber dafür eine coole Form des Sightseeings bieten. Der neue Trend ist eine Art E-Roller, aber mit drei Rädern und einem Sitz. Das Kapitol, das Weiße Haus, das Lincoln- und das Jefferson-Memorial oder auch das Washington Monument – wir legen etliche Kilometer mit dem etwas anderen Gefährt zurück und haben jede Menge Spaß.

Gerne nutzen wir in Großstädten Hop on Hop off-Busse, weil man auf diese Art und Weise erst mal einen Überblick bekommt und sich dann entscheiden kann, wo man vielleicht länger verweilen und mit einem der nächsten Busse weiterfahren möchte. Genau das haben wir in Miami getan. Nach der spektakulären Hafeneinfahrt, die man auf keinen Fall verpassen sollte, sind wir von Bord und vor dem Hafen-Terminal stehen die Sightseeing-Busse. Für 44 Dollar pro Person geht es los, der Betrag wird direkt vom Bordkonto belastet. Open-Air geht es nach Miami Beach, wo wir aussteigen und ein bisschen das Feeling der Reichen einatmen. Art-Deco-Viertel, Ocean Drive – sehenswert! Vorbei an den vielen Kreuzfahrtschiffen geht es wieder zurück nach Downtown. Ein Starbucks-Kaffee muss sein – da gibt es gratis WLAN dazu – und dann geht es wieder zurück zum Schiff. Ein großartiges Erlebnis ist auch dieses Auslaufen, die sechs Schiffe an diesem Tag machen sich nacheinander auf den Weg, um neue Ziele anzusteuern. Und das mit ordentlich „Gehupe“ des jeweiligen Typhons. Auch hier ist die Skyline ein echter Blickfang, was erneutes Gänsehautfeeling bedeutet.

Norfolk in Virginia und Charleston in South Carolina haben wir auf eigene Faust entdeckt, jeweils mit einem entspannten Spaziergang durch die Stadt, was besonders in Charleston – der ältesten britischen Siedlung von 1670 – richtig schön war. Aber es werden auch Touren angeboten – unter anderem zum Boone Hall-Anwesen, das durch die TV-Serie „Fackeln im Sturm“ bekannt geworden ist. In Norfolk in der Chesapeake-Bucht liegt AIDAluna direkt neben dem ausgemusterten Kriegsschiff USS Wisconsin. Das Museumsschiff zu besuchen, würden wir auf jeden Fall empfehlen, wenn man gerne in der Historie unterwegs ist. Die Karibik kommt nach Miami immer näher, die Bahamas zeigen dann, wie karibisches Wetter im Normalfall aussieht: Mit 31 Grad heiß und schwül. Mir ist das zu viel. Viele Passagiere machen sich auf zum Atlantis Ressort oder einem der tollen Traumstrände – Cabbage Beach zum Beispiel – das ist gut machbar. Es ist ein erstes richtiges Durchatmen nach der Städte-Etappe.

Cabbage Beach/Bahamas
Cabbage Beach/Bahamas

Für den einen Kreuzfahrer ein Paradies, für den anderen etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man auf Grand Turk Island anlegt: Dort hat man für die Urlauber eine Vergnügungsmeile direkt nach der Pier geschaffen. Zwei Schiffe liegen zusammen dort, das heißt 5000 Passagiere fallen auf die Insel ein. Vom Schiff aus sehen wir zwar die wundervolle Farbe des Ozeans, aber auch, wie sich Liege an Liege am Strand aneinanderreiht. Dort zu entspannen und zu genießen, das funktioniert für uns nicht, aber zumindest für das berühmte Foto – die Schiffe durch die Palmen hindurch fotografiert – muss man doch kurz an diesen Strand. Für acht Dollar pro Person (Hin und zurück) bringt uns ein Taxi zu dem ein paar Kilometer entfernten Governor’s Beach, den wir fast für uns allein haben. Wir sind fasziniert vom unglaublich klaren Wasser und den kleinen gestreiften Fischen, die um unsere Beine schwimmen. Auf die Ruhe am Governor’s Beach folgt für uns ein echtes Abenteuer in Puerto Plata, wo AIDAluna in Amber Cove anlegt. Die Liegezeit ist sehr kurz, um 12.30 Uhr heißt es schon wieder „Alle Mann an Bord“. Mit einer Gruppe gebucht über AIDA geht es zu den Damajagua-Wasserfällen. Wir bekommen Schwimmweste und einen Helm, und ab geht es durch den Dschungel bei knapp 30 Grad stetig bergauf. Dann aber liegen sie da – sieben Wasserfälle, die man entweder herunterspringen oder -rutschen kann. Die Überwindung ist am Anfang groß, denn das Wasser ist eiskalt. Ich entscheide mich jedes Mal für Nummer Sicher und rutsche von einem ins nächste Wasserbecken über die vom Wasser geformten steinernen Natur-Rutschen – ein Riesenspaß, aber doch etwas anstrengender als gedacht, und vielleicht auch nicht ganz ungefährlich.

Die Seetage an Bord der Kussmundflotte nutzt jeder anders. Ich kann niemanden verstehen, der Seetage überflüssig findet und sogar als Zeitverschwendung empfindet. Mich bringen genau diese Tage auf See, wenn du einfach die Weite des Ozeans genießen kannst, richtig runter. Zudem hat sich die Crew von AIDAluna auf dieser Riese wirklich selbst übertroffen, den Gästen den Urlaub zu versüßen. Das Programm, das jeder Gast am Abend für den nächsten Tag an der Kabinentür findet, ist gut bestückt und da ist einfach für jeden etwas dabei. Du kannst Tanzkurse besuchen, an verschiedenen Workshops teilnehmen oder dich durch das Schiff führen lassen. Hoch im Kurs ist an Bord tatsächlich auch das Bingo spielen, bei dem bis zu 6000 Euro im Super-Jackpot locken. Das Casino hat an Seetagen etliche Stunden geöffnet, es wird „Wer wird Millionär“ gespielt oder bei „Voice of the Ocean“ die beste Stimme unter den Passagieren gesucht. 

Im Entertainment-Bereich ist Aida eine echte Größe, die abendlichen Shows des Ensembles sind so beliebt, dass es immer schwer ist, einen Platz zu bekommen. Manchmal halten wir es so, dass wir beim Cappucchino tagsüber gemütlich bei den Proben zusehen. Sehr beliebt sind auch die vielen Partys, die unter einem bestimmten Motto stehen. In der Anytime Bar am Heck des Schiffes wird die Nacht zum Tag gemacht. Auf der 14-tägigen Reise wurden insgesamt 19.800 Liter Weißwein und 24.600 Liter Rotwein getrunken.  

Vier Buffet-Restaurants, ein Spezialitäten- und drei A-La-Carte Restaurants – wer auf AIDAluna Lust auf gutes Essen hat, der muss nicht lange suchen. Unser Eindruck ist es, dass sich die Gäste schnell festlegen und gar nicht so oft zwischen den Restaurants wechseln. Wir gehen am liebsten ins Markt-Restaurant auf Deck 9 und nutzen gerne eine der beiden Essenszeiten, die es in den anderen Buffet-Restaurants nicht gibt. Unser Lieblingsplatz ist weit am Heck, denn dort ist es eindeutig am ruhigsten und der Ausblick auf das Fahrwasser großartig. 

Schon drei Tage vor Reiseende hängt der Zettel an der Kabinentür, die Abreiseinformation. Diejenigen, die die Tour in der 14-Tages-Variante gebucht haben, sind sich überwiegend einig: Alle würden gerne verlängern und noch weiter in die karibische Vielfalt eintauchen. Geht leider nicht, und so halten wir persönlich den Kontakt auf die Luna, während wir wieder im kalten Deutschland unserer Arbeit nachgehen. Man macht uns ein wenig die Nase lang, aber für mich ist es eh klar: Nach der Reise ist vor der Reise. Die Lust, die Welt mit dem Kreuzfahrtschiff zu entdecken, ist auch nach insgesamt 34 Kreuzfahrten ungebrochen groß. 

Schafft die Transkaribik-Tour es denn, meinen Platz eins – die Transamerika – vom Thron zu stoßen? Nein, das schafft sie nicht. Sie teilen sich den Platz auf dem Siegertreppchen.